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Mandanten - so stöhnt in letzter Zeit so mancher Wirtschaftsanwalt - sind auch
nicht mehr das, was sie einmal waren. Vom intransparenten Gebührengestrüpp
verunsichert, zahlten Unternehmen mit Rechtsberatungsbedarf vor einigen Jahren noch
jede Rechnung, die ihnen die Anwälte vorlegten. Rechtsrat war exklusiv und deshalb
teuer, das war gemeinhin bekannt. Auch auf die enge Bindung ihrer Klienten konnten
sich die Advokaten damals noch verlassen. Hatten Unternehmer nicht gerade schlechte
Erfahrungen mit einer Sozietät gemacht, hielt diese Geschäftsverbindung
länger als so manche zwischenmenschliche Beziehung.
Diese Zeiten sind vorbei. Nicht nur die Wirtschaftskanzleien haben sich zu internationalen
Anwaltsfirmen mit Tausenden von Beschäftigten auf der ganzen Welt entwickelt.
Auch ihre Mandanten sind im Umgang mit der Rechtsberatung professioneller geworden.
"Heute werden die Kanzleien nach Qualität, Schnelligkeit und unternehmerischem
Denken ausgewählt", sagt Claudia Schieblon vom Kanzleien-Netzwerk Professional
Management Network (PMN). "Die Mandanten wollen sich nicht nur juristisch absichern.
Sie wollen Berater und Partner an ihrer Seite." Dazu gehöre auch, dass sich die
Advokaten in das Geschäft hineindenken. Keine langen Schriftsätze mehr,
sondern knackige Statements. "Man vertraut sich nicht mehr dem einen Anwalt an, dem
man schon mal einen Schnitzer verzeiht", sagt Roger Müller, Chefsyndikus der
Deutschen Börse. Grundsätzlich bestehe schon das Bedürfnis, mit einer
Kanzlei länger zusammenzuarbeiten, aber das hänge letztlich von der
Beratungsqualität ab. Wenn sich auf Dauer Nachlässigkeiten einschleichen,
sei das Verhältnis sehr rasch beendet.
Mittlerweile müssen sich Kanzleien sogar mit einem umfangreichen Programm bewerben,
nur um auf die "panels" zu kommen - eine Liste von exklusiven Anwaltskanzleien, mit
denen das Unternehmen im Falle eines Falles bevorzugt zusammenarbeitet. Ein direkter
Auftrag ist damit noch nicht verbunden, nur die stille Hoffnung, dass dieser nicht allzu
lange auf sich warten lässt. Dazu werden ausführliche Fragebögen verschickt,
die die Sozietäten auch auf ihre sozialen Stärken abklopfen. "Pro Bono" und
"Corporate Social Responsibility" heißen die Stichwörter in dem angloamerikanisch
geprägten Rechtsmarkt, unter dem die Kanzleien ihr gesellschaftliches Engagement unter
Beweis stellen müssen.
Freilich gehörte es für viele altehrwürdige Sozien schon immer zum guten Ton,
dem örtlichen Kunstverein auch kostenlos mit Rechtsrat zur Verfügung zu stehen oder
die Renovierung der Kirche finanziell zu unterstützen. Doch während dies früher
ohne viel Begleitmusik geschah, werden in Amerika inzwischen ganze Rankings anhand dieser
Kriterien aufgestellt - die auch die Aufmerksamkeit der Kundschaft erregen. "Der Mandant
kannte die Kanzleilandschaft genau; er wusste, wo er die Finger in die Wunde legen kann",
stöhnte etwa ein Mitarbeiter einer Großkanzlei über den Fragebogen, der
jüngst eintrudelte. Und so manche Großsozietät in Deutschland musste schon
schriftlich versichern, dass sie weder Kinder noch Sklaven beschäftigt.
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Auch das beliebte Fallbeil Antidiskriminierung - oder mit dem Begriff "Diversity Management"
positiv in die Förderung der Vielfalt gewendet - senkt sich inzwischen in den
Anwaltsgesellschaften. "Es gibt wahrscheinlich keine Minderheit, für die wir kein Komitee
haben", witzelte eine Mitarbeiterin aus einer amerikanischen Kanzlei. "Wir scheinen nur noch
aus Randgruppen zu bestehen." Ihr Kollege sieht diese Entwicklung als notwendige Folge des
globalisierten Rechtsberatungsmarkts: "Mandaten aus dem Nahen Osten wollen eben auch ein paar
Araber in der Kanzlei sehen, und Inder arbeiten gerne mit indischen Anwälten zusammen."
Das gesellschaftliche Engagement mag interessant geworden sein für die Mandanten.
Wirklich entscheidend ist jedoch in vielen Fällen noch der schnöde Mammon. Auch
in den Konzernen selbst ist der Kostendruck gestiegen. Deshalb schaut seit einigen Jahren
nicht nur die Rechtsabteilung, sondern auch der Controller auf das Mandat: "Die Controlling-Abteilung
sieht die Rechtsberatung von einer ganz anderen Seite", sagt Justitiar Müller. "Die
Rechtsanwälte werden an den gleichen Maßstäben gemessen wie andere Berater auch."
Stundensätze spielen eine große Rolle - und da kennt sich der moderne Klient von
heute auch aus, beobachten große Wirtschaftskanzleien. Für die wirklich harten
Brocken holt man sich noch die Top-Kanzleien und zahlt auch schon mal ein Stundenhonorar von
600 Pfund, für die kleineren Rechtsfragen wird dann die zweite und dritte Reihe zu wesentlich
niedrigeren Sätzen bemüht. Immer beliebter werden auch Pauschalbeträge: Eine
Rechtsberatung für 200 000 Euro und keinen Cent drüber, lautet dann die Ansage.
Viele Berater berichten inzwischen nicht mehr an den Vorstandsvorsitzenden eines Unternehmens,
sondern an den Finanzvorstand.
Daneben wollen die umworbenen Mandanten auch immer häufiger bei der Auswahl des Teams
mitbestimmen. Oft verbinden sie ihren Auftrag mit der Forderung nach einem besonders begehrten
Kollegen und beschränken die Einbindung von Rechtsreferendaren. Verfügbarkeit rund
um die Uhr sollte nicht nur im Vertrag stehen. Und weil die Deadlines auf Wunsch des Mandanten
immer kürzer werden, gehören Duschen und Klappbetten in den Büros fast schon
zur Grundausstattung. Doch nicht nur rechtliche Expertise müssen die Kanzleien vorhalten,
auch die technische Seite wird immer wichtiger. Rechtsberatung bleibt trotz Massenabfertigung
ein sensibles Geschäft, da wollen die Kunden sichergehen, dass ihre Daten geheim bleiben.
Die gehobenen Ansprüche kommen dabei keineswegs nur aus den global agierenden Konzernen.
Auch der Mittelstand überdenkt inzwischen immer häufiger seine Kanzleientscheidung.
"Das persönliche Geschäft ist vorbei", sagt die Kollegin einer traditionellen
deutschen Wirtschaftskanzlei.
Dass die meisten Großkanzleien in Zeiten steigenden Anspruchs nicht auf der Verliererseite
stehen, zeigt ihre hervorragende Ertragslage. Sie verdienen kräftig an dem boomenden
Fusionsgeschäft der Unternehmen und vermeldeten im vergangenen Jahr zweistellige
Umsatzsteigerungen. Da können sie es sich auch mal leisten, "Nein" zu sagen, wenn
der Preis nicht stimmt - oder es ihnen zu bunt wird.
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