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Office Manager: Problemlöser der Kanzlei

Claudia Schieblon, Anwalt, Juli 2003
Office Management ist eine Sache für Allrounder: Das Berufsbild ist ebenso vielfältig wie unterschiedlich.

Früher hätte man schlicht nach dem Bürovorsteher oder dem Büroleiter gefragt. Heutzutage muss man sich gut überlegen, wie man die gewünschte Person betituliert. Eine Anfrage, ob der Kanzleimanager zu sprechen sei, führt selten zum Erfolg, eher schon zu einer Telefonleitung ins Vorzimmer des Managing Partners. Dieser managt die Kanzlei allerdings eher in strategischer Sicht. Für das operative Management einer Kanzlei sind jetzt englische Titel wie "Office Manager" oder "Office Administrator" geläufig.

Die Arbeitsbereiche eines Office Managers sind ebenso vielfältig wie umfangreich. Darunter fällt beispielsweise auch das Gebäude- und Büromanagement - neudeutsch Facilities Management. Hierbei müssen Miet- und Versicherungsverträge ausgehandelt, Büroräume eingerichtet oder das Mobiliar ergänzt werden. Strom und Wasser sollen ebenso selbstverständlich zur Verfügung stehen wie Büromaterial. Für Notfälle braucht man eine gut sortierte Adressdatenbank von zuverlässigen Dienstleistern für jede Gelegenheit: vom Beheben verstopfter Abflüsse bis zur nächtlichen Bewachung wertvoller Bilder in der kanzleieigenen Kunstausstellung. "Die Arbeit eines Office Managers ist äußerst vielfältig. Jeder Tag ist anders." beschreibt auch Ute Mogwitz, Office Manager des Hamburger Büros von Latham & Watkins Schön Nolte ihren Job. Seit über zehn Jahren arbeitet sie für die Kanzlei und ist für die gesamte Organisation des Hamburger Büros zuständig.

Alles am Laufen halten

Ein wichtiger Aufgabenbereich ist die Technik und die EDV. Defekte Telefonsysteme oder abgestürzte PCs können schnell die gesamte Kanzlei lahm legen und durch den Arbeitsausfall hohe Kosten verursachen. Großkanzleien beschäftigen daher für diesen Bereich eigene IT-Spezialisten, welche die Technik regelmäßig warten und für Notfälle zur Verfügung stehen. Diese Spezialisten sind den Office Managern zugeordnet und erstatten immer wieder Rapport. Ein weiteres Aufgabengebiet des Office Managers sind die Finanzen - einschließlich des Controllings und der Buchhaltung. Er koordiniert hier die Arbeit entsprechender Fachkräfte und stellt die monatlichen Auswertungen dem zuständigen Partner oder Partnergremium der Kanzlei vor.

Oftmals sind Office Manager auch für eine weitere elementare Funktion der Kanzlei verantwortlich: Sie sorgen im Zuge einer perfekten Ablauforganisation für die Wahrung von Fristen und Terminen. Auch bei der Archivierung und der Pflege der Bibliothek installieren sie, zusammen mit dem Fachpersonal, ein nachvollziehbares System.

Fingerspitzengefühl vonnöten

Office Manager tragen umfassende Personalverantwortung für nicht-juristische Mitarbeiter einer Kanzlei. So Lenchen Horn, die seit 26 Jahren bei White & Case Feddersen in Frankfurt arbeitet. Sie ist verantwortlich für etwa 140 Nicht-Berufsträger des Frankfurter Standorts - vom Haustechniker über die Sekretärin bis zum Archivar stellt sie Personal ein, erarbeitet die Einsatz- und Urlaubspläne, überdenkt die Mitarbeiterförderung und plant das Personalbudget. "Um auf so unterschiedliche Menschen einzugehen braucht man viel Fingerspitzengefühl", betont sie, "doch das Engagement lohnt sich: Die Mitarbeiter sind motiviert."

Auch Ulrike Steinhart, Office Manager bei Freshfields Bruckhaus Deringer in München betont die Wichtigkeit des "Well-Beings" der Mitarbeiter. "Als Office Manager ist man nicht nur zentrale Anlauf- und Informationsstelle für die Mitarbeiter, sondern auch verantwortlich für eine gute Teambildung." Als Bindeglied zwischen Juristen und Administration tut sie alles, um die interne Kommunikation zu fördern und eine gute Atmosphäre zu schaffen.

Ein Office Manager pro Standort

Ausnahmslos alle Großkanzleien haben Office Manager, meist einen pro Standort. Diese verantworten das typische Aufgabenspektrum und sind dem geschäftsführenden Ausschuss oder dem Managing Partner zugeordnet. Dies ist nötig, wenn eine Kanzlei zur Größe eines mittelständischen Unternehmens herangewachsen ist. Insbesondere die britischen und amerikanischen Kanzleien - beziehungsweise die mit diesen fusionierten deutschen Einheiten - haben ein ausgefeiltes Organisationssystem.

So auch Allen & Overy in Frankfurt, wo Carolyn Schroeter als Head of Operations arbeitet. Ihr berichten die Leiter von IT, Human Resources & Training, Finanzen, Verwaltung, Bibliothek, Marketing, Business Services und Übersetzung regelmäßig. Der Bereich Business Services umfasst das Facilities Management, das "Front of House" (die Außenwirkung wie etwa Telefonzentrale, Empfang oder Konferenzbereich) und "Back of House" (alle internen Aufgaben wie Post- und Faxzustellung und Kopieren).

Mit den Abteilungsleitern bildet Carolyn Schroeter ein Managementteam, das in regelmäßigem Austausch steht. In der Londoner Zentrale existiert gar ein Abteilung "Document Production", die für alle weltweiten Büros von Allen & Overy Schriftstücke prüft, schreibt und formatiert. Carolyn Schroeter arbeitete im Hotelmanagement, bevor sie im Januar 2000 zu Allen & Overy stieß. Sie sieht ihre Aufgabe als Dienstleistung auf höchstem Niveau: "Meine Kunden sind die Anwälte, deren Kunden die Mandanten."

Für kleinere Büros meist zu teuer

Kanzleien kleinerer und mittlerer Größe haben selten eine dem Office Manager vergleichbare Position eingerichtet. Dort legen die Partner selbst die Hand an. Bisweilen gibt es eine "gute Seele" unter den Sekretärinnen - eine, die aufgrund von Erfahrung und Engagement auch organisatorische Aufgaben für die Kanzlei übernimmt und verantwortet. Doch in der Regel werden die Organisations- und Managementaufgaben eines Office Managers verschiedenen Partnern und Associates zugeordnet, die diese - unterstützt von ihrem Sekretariat - erledigen. So handhabt es auch die Stuttgarter Kanzlei Diem & Partner mit zwölf Rechtsanwälten. "Für die Bereiche wie Personal, Qualitätssicherung oder Marketing in unserer Kanzlei ist je ein Anwalt verantwortlich", erklärt Frank Diem. "Die Einstellung eines Office Managers, der ja auch betriebswirtschaftliches Know-how mitbringen und entsprechend honoriert werden muss, rechnet sich für uns noch nicht."

Die Ausnahme dieser Regel ist Evi Meier, Office Manager bei Rotter Rechtsanwälte in München. Sie ist derzeit Juristin mit 1. Staatsexamen und kam durch das Referendariat im Dezember 2000 zu der mittlerweile elf Rechtsanwälte großen Kanzlei, die sich auf die Interessen von Aktienanlegern spezialisiert hat. Neben den üblichen Aufgaben eines Office Managers ist sie dabei, ein Kanzleihandbuch zu erstellen, in dem alle Arbeitsabläufe definiert werden. Damit will die Kanzlei die Qualität ihrer Arbeit optimieren.

Durch ihr juristisches Studium kann Evi Meier in dieser Position auch weitergehende Aufgaben, wie die Prüfung von Arbeits- oder Mietverträgen übernehmen. Sie will auch nach erfolgreichem Abschluss des 2. Staatsexamens Office Managerin bleiben. "Diese Position, angesiedelt zwischen Anwälten und Sekretärinnen, ist sehr vielfältig. Von juristischen Aufgaben über die Pflege eines guten Teamklimas bis hin zur Einrichtung unseres neuen Büros mit Möbeln und Pflanzen ist da alles drin was mir Spaß macht."

Immer kühlen Kopf bewahren

An einen Office Manager stellen sich vielseitige Anforderungen. Er muss eine gute Allgemeinbildung haben und kaufmännisch fit sein. Er muss Arbeitsplätze definieren, Arbeitsabläufe bewerten und Personal führen können. Daneben ist ein immenses Maß an Organisationstalent gefragt sowie ein kühler Kopf in heiklen Situationen - beispielsweise bei einem plötzlichen Ausfall aller technischen Geräte. Dann muss man den Überblick bewahren und umgehend notwendige Maßnahmen ergreifen. Dafür bedarf es keiner speziellen Ausbildung, sondern viel Berufserfahrung und einer ausgeprägten Service-Mentalität. "Office Manager sind Problemlöser, was immer auch das Problem ist." beschreibt Gabriele Irlinger, Office Administrator bei Jones Day in München, ihre Aufgabe. "Ich bin das Bindeglied zwischen der Geschäftsleitung und allen Abteilungen."

Die Werdegänge der einzelnen Office Manager sind recht unterschiedlich. Neben der klassischen Rechtsanwalts- und Notargehilfin findet man ehemalige Sekretärinnen genauso wie studierte Betriebswirte oder Geisteswissenschaftler. So Dr. Ulrich Offermann, Verwaltungsleiter von Schultze & Braun in Achern. Der studierte Theologe und Pädagoge kam aus der Erwachsenenbildung als er vor mehr als fünf Jahren bei der bekannten Insolvenzkanzlei, die 350 Mitarbeitern an 21 deutschen Standorten hat, seine Arbeit aufnahm. "Meine Aufgabe ist eine Generalistentätigkeit. Das Spektrum ist enorm", betont er. Oder aber Ute Mogwitz von Latham & Watkins Schön Nolte: Nach einigen Jahren als Rechtsanwalts- und Notargehilfin und Anwaltssekretärin in verschiedenen Kanzleien machte sie sich mit einem Schreibdienst für Anwälte selbstständig. Dann studierte sie BWL. Als Office Manager ist sie nun die Chefin der Buchhaltungs-, Technologie-, Marketing- und Personalleiter des Hamburger Büros.

Zu den unabdingbaren soft-skills eines Office Managers gehören ausgeprägte kommunikativen Fähigkeiten. Denn er muss mit den unterschiedlichsten Leuten umgehen und sich dort entsprechend artikulieren sowie auch durchsetzen können. Dies gilt für einen Handwerker ebenso wie für den Catering-Service oder ein Gremium von Rechtsanwälten.

Dienstleistungsorientierter Gedanke

Je stärker sich Dienstleistungsgedanke und betriebswirtschaftliches Denken in der Kanzleiführung durchsetzen, desto stärker werden Kanzleien ihre Organisation professionalisieren und Office Manager einstellen. Für kleinere Kanzleien würde es Sinn machen, einige Aufgaben an externe Dienstleister abzutreten. Dann können sich Anwälte auf ihre juristische Arbeit konzentrieren und Umsatz generieren. Die Office Manager halten ihnen dafür den Rücken frei.

Claudia Schieblon
Leitung PMN
Marketing für Anwaltskanzleien


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